Die Passerschlucht in Südtirol

Ehrfurcht - dieses Wort beschreibt unser Gefühl am treffendsten. Wir sind nur zu Gast in dieser unwirtlichen Umgebung. Einmal im Jahr, nicht öfter. Und doch jedes [...][br][/br][br][/br]Ein toller Bericht von C. Scheuermann und T. Heims

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Passer Passerschlucht

Anfahrt zum Passerwasserfall

Wird das Wasser passen? Vereiteln regennasse Felswände das Umtragen der klammartigen Passagen? Schneidet uns der Schnee am Timmelsjoch den Rückweg ab? Ist es wirklich eine gute Idee heute hier zu paddeln?

Nervöse Vorfreude ist unser Begleiter von Serpentine zu Serpentine. Nur Tobi ist die Ruhe selbst. Zwar erst seit 2 Jahren im schweren Wildwasser unterwegs und gestern zum ersten mal die Heiligkreuz gepaddelt, lässt er sich von unseren Erzählungen nicht beeindrucken.

Manche von uns kurbeln schon das dritte Jahr in Folge hoch über die Alpen ins Passeier Tal, und wir beneiden das Greenhorn um seine Ruhe.

Passer Passerschlucht

Anderthalb Stunden später und 14 Euro ärmer schrubbeln wir über die Kieselsteine am Ortsrand von Moos. Der Pfeldererbach von rechts verdoppelt die Wassermenge und die beiden Grundgesteinsrutschen am E-Werk sind Programmvorschau. Wer hier zweifelt tut gut daran den Neoschuhe gegen Wanderstiefel zu tauschen. Leichter wirds nicht, ein Abbruch in der Schlucht ist praktisch unmöglich.

Die Unentwegten wirft ein wuchtiger Katarakt (2003 und 2004 sehr gefährliches Drahtseil!) aus großen Granitmurmeln ins ruhige Wasser unter der Geschiebesperre. Ein seltsames Gefühl mit geducktem Kopf unter einen 20m hohen Mauer durchzupaddeln!

Passer Passerschlucht

Unter einem zerfallenden Holzsteg taucht links der Pegel auf, und die Schlucht verengt sich klammartig. Die folgenden Stufen und Felsrutschen sollten allesamt gut besichtigt werden. Die Erste ist bei höheren Wasserständen kaum zu umtragen, lässt sich aber mittig gut boofen. Eine verwinkelte Felskurve, die links böse unter die wand zieht haben wir immer unschwierig umtragen.

Eine Pflichtumtrage, wenn auch eine Beschwerliche, sollte die hohe Felsrutsche sein, die nach etwa 50m folgt. Der Ausstieg links ist leicht zu übersehen, eine versehentliche Einfahrt fatal. Der pool wird rechts von einer tief unterspülten Wand begrenzt, gemeinsam mit dem Rücklauf verhindert sie jedes Entkommen. Das Umtragen erfolgt über glitschige Felsplatten. Bei wenig Wasser steigt man durch einen über der Wasserlinie liegenden Siphon zum Pool, und setzt im Kehrwasser ein, nur eine halbe Paddellänge vom tosenden Fall entfernt. Bei höheren Wasserständen ist diese Variante (zumindest fuer den letzten Paddler ohne Einstiegshilfe) zu riskant. Dann müssen die Boote vom hohen Felsen (über dem Siphon) in die Klamm geworfen werden, und nach der nächsten kleinen Stufe von den (ebenfalls springenden) Paddlern geborgen werden.

Passer Passerschlucht

Bis zur Bergsturzzone lassen die Schwierigkeiten auf wenigen 100m nach, was wir nach dem adrenalinintensiven Auftakt nicht wirklich bedauern. Vor einigen Jahren noch eine wunderschön fahrbare dreier-Kombi aus hohen Fällen, haben hausgroße Felsen eine völlig unfahrbare Stelle geschaffen. Nach der sorgenfreien Eingangsstufe, muss links über grobes Geröll umtragen werden. Der sehr enge Schlitz gleich nach der Unfahrbaren ist gewöhnlich fahrbar.

Schon beim Umtragen wird man sich des gewaltigen Gefälles, nicht nur der Sturzzone, sondern auch der Folgestrecke bewusst. Geschlossen steigen wir gleich nach dem Schlitz links (generell eher eine gute Wahl an der Passer) aus, bewegen unsere Schritte über einen gigantischen Felsriegel bis vor zur Kante. Unsere Blicke spiegeln sich im gut 15m tiefer gelegenen Gumpen. Allgemeine Sprachlosigkeit weicht Tobis ungläubiger Frage: "wie zur hölle habt ihr das teil umtragen?!?"

Nun, tragen ist hier nicht unbedingt die beste Idee. Zwar kann eine nicht sehr vertrauenserweckende Seilschlinge -wohl von Schluchtwanderern oder anderen Paddlern angebracht- als Fixpunkt zum abseilen dienen, doch ist auch der glitschige Felsbalkon 5m über der Wasserfläche nicht gerade gemütlich.

Passer Passerschlucht

Sowohl der Eingangskatarakt (ww6) hat sich verändert, wie auch die Anfahrt unmittelbar an der Fallkante. Der Fall selbst ist 8m hoch und landet weich im riesigen Tumpf. War ein Einstieg nach umtragen des Kataraktes die letzten Jahre nur rechtsufrig in einem sehr unkomfortablen Kehrwasser möglich, konnte man Oktober 2004 vor dem Fall links einsetzen und nahm so noch die letzte Stufe des Kataraktes mit.

Nach gut einer halben Stunde des Grübelns, suchen von Fotopositionen und meditativer Übungen, fiel die Wahl auf Tobi. Es war seine Kamera, er war nicht durch bisherige Passer-Erlebnisse vorbelastet, und er war wie immer nicht zu bremsen.

Der Jubelschrei nach dem Auftauchen zerriss das monotone Tosen des Wasserfalles.

Der Bann war gebrochen. Nach und nach schlugen unsere Boote im Weisswasser ein.

Passer Passerschlucht

Nach dieser Hürde fällt die größte Spannung von uns ab. Doch Obacht ist auch weiterhin geboten, die Passer hat noch so einiges in petto. Unzählige Stufen und Felskanäle (einmal nur bootsbreit) folgen. Markant ist eine riesige Felsplatte, die strömungsparallel im Fluss steht. Bei wenig Wasser kann sie mit Risiko links unterfahren werden, bei höherem Wasserstand ist die lichte Höhe zu gering. Das tragen rechts ist leicht. Eine wunderschöne, doch rückläufige Doppelstufe lässt eine Sicherung ratsam erscheinen.

Den letzte halben km verläuft sich die Passer zwischen großen Kieseln. Es lauern ein gemeiner Siphon unter einer Platte und eine steckgefährliche Stelle, sind nach ansehen aber beide fahrbar.

Beim Ausstieg am E-Werk Langwies oder alternativ bei einer Holzbrücke vor einem unfahrbaren Felschaos (weitere 500m), sind wir froh das Auto erreicht zu haben.

Passer Passerschlucht

Ein weiteres Mal hat uns die Passer gehen lassen. Jedes Jahr konnten wir ihr eines mehr ihrer Geheimnisse entlocken, jedes Jahr wartet sie mit Neuen auf.

Wir kommen wieder, nächsten Herbst.

Paddler: klemmer, sebbi, hiasl, anna, boby, slayer, tobi, scheuer (in wechselnden gruppen)



Großen Dank hier an Stefan Kinner, der uns mittels seiner Präsentation auf www.paddeln.at erst mit diesem genialen Fluss verkuppelte.

Zusammengestellt von Christoph Scheuermann (www.bootfahrn.de.vu), Fotos von Tobi Heims (www.team-yakuza.de)

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1 Kommentar

  1. no-avatar
    Flo Strähhubervor 16 Jahren

    Super Bericht, Super Bilder,
    Also wie ihr es in der Hütte einen abend zuvor erzählt habt, hab ichs mir nicht so recht vorstellen können, aber mit der guten beschreibung hat ihr einen weiteren Paddler scharf auf die Passer gemacht, und wenn sichs ergibt binn ich 2005 mit dem Basti gern dabei.

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